Am 13.01.2026 wurde über die Medien kolportiert, dass der etablierte Kunstort Reich für die Insel Artspace seine Heimat verlieren und der Kubus einer kommerziellen Nutzung weichen soll.
Seit 2019 hat das Team des Vereins für projektbasierte Öffentlichkeitsarbeit rund um Severin Obholzer-Sonnewend und Hanna Sonnewend aus einer einstigen Gastro-Ruine einen lebendigen Raum für Kunst und Kultur geschaffen, der weit über Innsbruck hinaus bekannt ist. Mit einem diversen und vielfältigen Programm, das sich durch professionell kuratierte Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, Lesungen, Performances, Workshops und zahlreiche Kooperationen auszeichnet, wurde aus dem Kubus in den letzten Jahren eine etablierte Institution und ein fixer Bestandteil der lokalen Kunst- und Kulturszene. Von der hohen Qualität des Programms zeugt auch die Subventionierung durch die drei Gebietskörperschaften Stadt Innsbruck, Land Tirol und dem Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport.
Dass dieser Kulturbetrieb nun von der Stadt ohne offengelegte Kriterien und ohne öffentliche Ausschreibung delogiert wird, und die Immobilie an einen bislang nicht genannten Gastronomen vergeben werden soll, stößt in der Kulturszene auf großes Unverständnis. Gegenüber dem ORF (Beitrag Tirol Heute 13.01.2026) und der Tiroler Tageszeitung (14.01.2026) wurde mit einem Bestbieterprinzip argumentiert, allerdings stellt sich hier die Frage, wie es einen Bestbieter geben kann, wo doch keine öffentliche Ausschreibung stattgefunden hat? Anhand welcher Kriterien und durch wen wurde das vom Verein erarbeitete Konzept Die Insel, welches den bestehenden Kunstort um eine Gastronomie samt Gastgarten erweitert hätte, bewertet und als nicht “zweckmäßig” (Tirol Heute, 13.01.2026) beurteilt?
Gegenüber dem ORF wurde argumentiert, dass ein “ganzjähriger Gastgarten” angestrebt wird, in dem “man sich wohlfühlen kann, und dass im Sinne der Wirtschaftlichkeit, und im Sinne der Kultur etwas Tolles entsteht” – an dieser Stelle möchten wir anmerken, dass hier bereits Kulturarbeit auf höchstem Niveau geschaffen und gelebt wurde, wohingegen es uns zum gegenwärtigen Zeitpunkt schwer fällt, einen “kulturellen Gewinn” (TT, 14.01.2026) in einer reinen gastronomischen Nutzung zu verorten.
Mit dem Zerschlagen des Reich für die Insel Artspace verliert der einst als Kulturquartier vermarktete Rennweg eine wertvolle Kulturinstitution. Das Vorgehen macht sichtbar, dass Kultur in erster Linie als Kostenfaktor und nicht als Motor für eine sinnvolle Stadtentwicklung in diesem “Kulturquartier” betrachtet wird.
Wir, die Mitglieder der battlegroup for art, erklären uns solidarisch mit dem Verein für projektbasierte Öffentlichkeitsarbeit und dessen Wirkende Severin Obholzer-Sonnewend und Hanna Obholzer.
Wir fordern eine faire und transparente Reevaluierung der Vergabe des Kubus sowie ein klares Bekenntnis der Stadt zu Kunst und Kultur – insbesondere durch die Sicherstellung des räumlichen und finanziellen Fortbestehens des Vereins.
Unterzeichnet von den Mitgliedern der battlegroup for art (Netzwerk der in Innsbruck tätigen Interessenvertretungen, Plattformen und Zusammenschlüssen aus dem Bereich zeitgenössischer Kunst und Kultur)

Fotos © Dino Bossnini